29.4. – 12.5. (643km)

Authentisches Reiseland mit weiter Küste, unberührten Berglandschaft und traditionellen Städten. Leider konnten wir die schönen Pisten in den Bergen nicht wirklich befahren, weil der Wagen Vorderradantrieb hat, er hinten schwerer ist. Somit drehen sofort die Räder durch, wenn es bergauf geht. Also haben wir uns mehr an der Küste aufgehalten.
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Wieder nur ein paar Minuten mit lächelnden Zöllnern, schon sind wir in Albanien eingereist und haben im ersten Supermarkt problemlos eine SIM-Karte erstanden. In Shkodra, mit Blick auf die Burg und umgeben von 3 Flüssen, lassen wir die ersten Eindrücke dieses neuen Trendlandes für Offroader, Camper und Busreisen auf uns wirken. Ebenso die unterschiedliche schnelle Frühstückswahl der Geschlechter. Beim Rundgang um die Burg (ja, wir sind zu faul da hochzugehen…) treffen wir auf viele Fischer und ihren Karpfen und landen schließlich in einer Hinterstraße in ein Romadorf… da leben sogar unsere Afrikaner besser. Es stinkt, aber die Menschen grüßen alle freundlich.
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Uns erreicht die Nachricht, dass unsere neuen Reisefreunde von Kroatien nur 10 km weiter in einem anderen Camp stehen und da wir eh auch noch auf andere Freunde warten, siedeln wir schnell um ans Lake Shkodra Resort. Hier steht man schön auseinander, es gibt leckeres und günstiges Essen mit Ausblick und die Waschmaschine kann laufen während wir die Zeit sinnvoll in sundowner Getränke investiert. Der See hat erfrischende Badetemperaturen und mit allen Wiedersehensfreuden und neuen Reisebekanntschaften vergeht die Zeit wie im Flug.
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Da Albaniens Berge fantastische Gebiete für Allradstrecken ist, gönnen wir unseren Berti einen Tag Pause (Pommes passt auf sie auf) und unternehmen einen Touristenausflug. Lohnt sich aber! Per Transport durch die imposante und unberührte Bergwelt entlang der Drin geht es am Koman Stausee ins Boot und ab in eine Traumwelt aus Bergen, Wald und allen Blau-, Grün- und Türkistönen, die man sich als Wasserfarben vorstellen kann. Unser 1. Boot geht kaputt und wir wechseln an einem Dorf in ein schickes rotes und versinken wieder in dieser Zauberwelt und können uns in der immer engeren Schlucht und dem seichten Wasser nur schwer vorwärts bewogen bis wir in einer versteckten Taverne ankommen. Das dortige Mittagessen ist schon der halbe Tourpreis und wir spazieren im eiskalten Wasser umher. Auf der Rückfahrt kommt es schwarz herangezogen und der Sturm saust um uns herum. Da das 2. Boot kein Dach hat, sehen wir alle schnell schick aus.
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In Mittelalbanien lockt uns die Kleinstadt Kruja mit ihrer mittelalterlichen Burg und den restaurierten Bazarstrassen im Krujastil. Ich (Beate) musste mich sehr zurückhalten, aber ein Teppich musste mit! Zwischen den steilen Gassen finden wir ein ruhiges Plätzchen und die ansässigen Opas wünschen uns alle herzlich eine gute Nacht.
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Der erste Verlust von klein Berti … das linke Scheinwerferglas ist rausgefallen. Wir belassen es dabei, die “Alte” darf ruhig ein paar Falten haben. Wir finden einen wunderschönen Stellplatz am Meer bei Vlore (unsere Tochter vermerkte nur, dass dies auch in Schottland sein könnte, selbst Schafe gesellten sich um uns). Obwohl der Platz immer wieder auch von anderen Campern frequentiert wurde, hatten wir das erfrischende Meer für uns. Wie im ganzen Land verteilt gab es auch hier Bunker (200.000 im ganzen Land!!) und der Sonnenuntergang war grandios. Sogar Bienenfresser begrüßten uns morgens.
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Ruinenstadt Apollonia: Nach dem Gott Apollon gegründet im Jahre 700 v.Chr. als Dorische Kolonie am Fluss Vjosa. Zur römischen Zeit eine bedeutende Handelsstadt (der römische Kaiser Augustus studierte hier) konnten wir uns so richtig gut vorstellen, wie hier alles florierte und flanierte und wie wohl die Schiffe angelegt haben. Zumindest bis durch ein Erdbeben der Fluss seinen Lauf veränderte und somit der Hafen trocken war. Uns haben die Bauwerke, u. a. der Versammlungsraum (Bouleuterion), Bibliothek, Odeon, Obelisk und das Kloster sehr gut gefallen. Wunderschöne gut erhaltene Ausgrabungsstücke im Museum und das Mosaik stundenlang staunen lassen.
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Gleich hinter dem offiziellen Parkplatz finden wir einen tollen Übernachtungsplatz mit Blumenwiesen und der Sundowner wird auf original Apolonia Häusersteinen eingenommen!
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Trotz des total ausgebuchten Campingplatzes (Hilfe, so dicht mussten wir noch nie stehen, und das auch noch mit absoluten Grußverweigerern. Aber was tut man nicht alles für eine Waschmaschine und heiße Dusche) geht es munter weiter zur nächsten Besichtigung: Gjirokastra. Als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum von Albanien, auch früher von Griechenland beansprucht, am Hang erbaute Stadt begeistert einen mit dem charakterlichen Stadtbild an trutzigen Häusern und einer hoch gelegen Festung mit Ausblick ins Tal des Drino.
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Meiner Lieblingshose ist der Knopf abgesprengt, ob das an der guten Küche des Balkans oder Beates Kochkünsten liegt, ist schwer zu sagen😊. Denn ganz tapfer haben wir am Muttertag traditionelle Küche probiert: Paca, Suppe mit Innereien oder Gehirn. Auch gibt es überall am Straßenrand leckerstes Obst und Gemüse, Fisch und alle möglichen Bergkräutertees. Über einen Bergpass winden wir uns hoch und runter mit der schwerfälligen Berti (und sehen in der Ferne das Meer und Korfu) und finden einen tollen Stellplatz an einem kühlen Bergbach.
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Denn am nächsten Tag steht die Besichtigung von Syri i Kalter an, dem blauen Auge Albaniens. Hier steigt aus weißem Karstgestein die wasserreichste Quelle Albaniens empor, genaue Tiefe noch nicht erforscht, mindestens 50 Meter. Früh morgens durften wir das glasklare, türkisblaue Wasser im schönen Galeriewald für uns alleine genießen. Wahrhaftig ein zauberhafter Fleck Natur! Man darf sogar drin schwimmen! Ab 10 Uhr kamen die Reisebusse, nix wie weg.
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Nach einem erfrischenden Naturbad tauchen wir ein in Albaniens Wunderwelt: Wir haben uns noch nie an so viel verschiedene Insekten in allen Formen und Farben erfreuen dürfen. Und als es Dunkel wird, geht Albaniens Lichterkette an: Tausende (aber wirklich!) an Glühwürmchen im ganzen Tal! Leider nicht mit der Kamera festzuhalten, aber in unserer Erinnerung bleibt diese Stimmung immer lebendig. Wehmütig verlassen wir dieses absolut sehenswerte Land, wo wir viel erleben durften und das Lust macht auf ein Wiedersehen! Denn zufällig ist ein alter Freund in Griechenland auf Kurzurlaub und wir ändern (mal wieder !) die Route, auf gehts!
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Noch ein Wort am Schluss: Ja, auch wir durften leider Zeugen des immer und überall rumliegenden Mülls werden…. Albanien entwickelt erst seit kurzem eine Abfallentsorgung und meist sitzt immer noch in der Bevölkerung die Überzeugung fest, dass alles am besten den Hang runtergekippt wird, denn der nächste Regen kommt und spült alles über die Flüsse ins Meer und damit aus ihrem Blickfeld.