2.6. – 16.6. (937km)

Ein spontaner, kurzer Abstecher in ein Land, welches uns mit allen Sinnen gefesselt und verzaubert hat! Jeder Tag war berauschend mit uralter Geschichte, Gaumenfreuden, idyllischer Natur und den liebsten und bisher gastfreundlichsten Menschen die man sich wünschen kann!
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Der Grenzübergang ist imposant, vor lauter Ehrfurcht an Riesenflaggen und Gebäuden, mit moderner Technik haben wir uns auch nicht getraut ein Foto zu machen. Die angespannte Lage mit Griechenland tat sein übrigens, noch nie so bewaffnete Grenzbeamte und soviel Stacheldraht gesehen, immer wieder spannend ins Unbekannte einzutauchen! Wir staunen nicht schlecht über modernste Straßen kombiniert mit Pferdewagen und suchen uns erstmal ein ruhiges Platzerl im Wald. Robert versucht noch den steilen Waldweg auszukundschaften zum Damm, aber so verausgabt wie er zurückkam wird das wohl für Berti nix, aber auch so sind wir glücklich, wie weit uns unser altes Wohnmobil gebracht hat. Die Nacht ist unruhig, aber auch lustig, hier im Wald trifft sich die feiernde Jugend…. Glatte Teerstraßen bringen uns schnell wieder an die Küste am nächsten Morgen. Begeistert probieren wir schon mal all die Fressbuden mit Köfte-Schildern aus unterwegs… Robert biegt ab den Berghang runter, um irgendwo einen Stellplatz zu finden, die Anwohner begrüßen uns freundlich, aber wir sind nicht zufrieden und wollen wieder zurück… tja, das klappt erst nach 7 Anläufen! Berti ist wohl noch zu schwach heute morgen… Wir finden weiter nix und rauschen auf der kostenfreien Schnellstraße Richtung Gelibolu, neben uns riesige, mautpflichtige Autobahnen. Was ein Unterschied zum Rest Europas! Das Aufhalten der Flüchtlingsströme wird wohl gut bezahlt…
Wir nehmen die Fähre von Eceabat nach Canakkale und sind nun in Asien!
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Sofort tauchen wir ein in die sinnesbetörende Welt Vorderasiens, mit der lebendigen und farbigen Atmosphäre von Bazaren, Früchteständen, überall lachende Menschen, Essensduft, bunte Gewänder, Musik und wuselnde Gassen. Wir finden eine Organicfarm, die gerade eine Campsite aufbaut, uns aber schon willkommen heißt. Direkt an den Dardanellen gelegen zählen wir unzählige Schiffe, welche vom und zum Schwarzen Meer unterwegs sind. Da der Traktor der Besitzer nicht läuft, kommen wir gleich ins Gespräch (zum arbeiten ist es nämlich zu warm) und zack sitzen wir lachend zusammen mit Metten und Familie bei türkischem Tee, gefolgt von türkischem Kaffee und runden ab mit selbst gebranntem Schnaps (Alkohol ist sehr teuer). Somit war klar, dass wir hier nicht so schnell loskommen. Gespannt lernten wir mehr über den türkischen Lebensstil und als noch Heather und Mike von der Isle of Man mit ihrem britischen Humor dazukamen war die lustige Runde perfekt.
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Nach soviel kulturellem Austausch gönnten wir uns gleich ein paar Kilometer weiter die Besichtigung Trojas. Wer kennt sie nicht, das berühmteste und älteste Epos der Weltliteratur, die Ilias, vom griechischen Dichter Homers. Dieser erzählt uns von der griechischen Flotte des Königs von Sparta, welche gegen Osten aufbricht, um die nach Troja entführte Helena (die schönste Frau der Welt) zurück nach Griechenland zu holen. Der zehnjährige Krieg endet erst mit der List Odysseus, das Trojanische Pferd einzuschleusen in die Stadt Trojas, in dessen Bauch sich die Griechen versteckten und die Tore der Stadtmauer öffneten für die Armee Sparta’s. (Prinz Robert war natürlich auch dabei und alle Amazonen lagen ihm zu Füssen, aber seine Beate hat ihn da noch mal raus gerettet.) Interessant waren auch die Kinderbilder vom Pferd, besonders das letzte zerknitterte Bild 😊.
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Nun stehen wir hier, auf dem strategisch günstig gelegenen Hügel Hisarlik, wo der Deutsche, Heinrich Schliemann, durch Ausgrabungen die Stadt Troja entdeckte. Nicht jeder befürwortet diese Lage, wir jedoch können uns sehr gut vorstellen, dass sich hier alles abgespielt hat. Auch wenn wir uns erstmal hineinversetzen müssen in die verschiedenen Lagen der Stadtmauern. Vieles ist nach den Freilegungen durch die Ausgrabungen der Witterungen ausgesetzt gewesen und dadurch abgetragen worden. Ebenso entwendete Schliemann bedeutenden Schmuck, welcher dann noch im 2. Weltkrieg aus Berlin verschwand. Alles andere ist zu bestaunen im hochmoderne, imposanten Museum auf mehreren Stockwerken. Sehr sehenswerte und viele wunderschöne Kunststücke. Wir übernachten neben einem Restaurant und als wir uns uns durch türkische Spezialitäten schlemmen, stossen überraschend Heather und Mike zu uns und die fröhliche Runde ist wieder komplett.
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Wir entscheiden doch noch ein wenig die Ägäis zu erkunden, da es uns so gut gefällt hier in der Türkei, daher geht es gemütlich die Küste runter. Wir staunen weiter über die regen Bautätigkeiten, die sanfte Hügellandschaft und das präsente Markttreiben. Ein Reisepaar hat uns einen Campingplatz empfohlen nahe Ayvalik direkt am Strand. Somit legen wir noch 3 faule Tage ein und liegen lesend im Sand mit unseren Fellnasen und schwimmen fleißig im klaren Meer, denn mittlerweile ist es Sommer und es ist heiß!
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Genug der Sandpanade, der Teint wird auch schon dunkel, es wird wieder Zeit die sagenhafte Kultur dieser geschichtsträchtigen Gegend zu erkundigen: Die Stadt Bergama aus dem Jahre 400 v.Chr. (in der Zeit des persischen Reiches) gegründet von Pergamon. Griechisches, Unabhängiges, Keltisches, Römisches, Gotisches, Arabisches und Osmanisches Reich, hier gab es viel zu entdecken für Deutsche Ausgräber 1864, und deshalb ist auch hier viel Interessantes nach Berlin “gewandert”. Die Sehenswürdigkeiten beginnen wir mit der Oberstadt Akropolis mit traumhafter Kulisse. Wir beschauen u. a. den Palast Heron mit Säulenhof, den Athenatempel, Bibliotheken, das Theater und die Tempelanlage. Das Highlight .. der Zeusaltar steht in Berlin, was uns nicht sehr erfreut. Die Nacht stehen wir fantastisch direkt am Damm unterhalb und sind mittendrin und integriert mit den türkischen Anglern, Spaziergängern und Sundowner Genießenden. Es wird alles mit uns geteilt und wir fühlen uns sehr wohl.
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In der Unterstadt gibt es noch römische Bäder, Wohnhäuser und ein Gymnasium. In der Innenstadt von Bergama gibt es die rote Halle und viele schöne Geschäfte mit türkischem Flair wie wir es lieben. So lassen wir uns noch ein bisserl treiben in den Gassen, beim Tee trinken und beim Gewürze schnuppern. Am liebsten wären wir noch weiter, aber dies ist nun endgültig unser südlichster Punkt und so fahren wir wieder hoch fast die gleiche Strecke, denn Istanbul muss warten, Stadtbesichtigung bei Hitzewelle, mit Tieren lassen wir aus. Schnell geht es vorbei an wieder viel Straßenleben, wir lieben die vorbeirauschenden Farben, Gerüche, Lachen, das Essen neben der Straße, alles so unkompliziert.
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Wir erreichen zum Abkühlen nochmal die Küste gegenüber der Insel Bozcaada, ein Tipp von Türken, die wir in Lusaka kennenlernten. Die günstige Campsite Papaz Plaji ist wie wildcampen, einfach irgendwo zwischen den Dünen am Strand einen Platz suchen. Wir verleben herrliche Tage am einsamen Strand mit kurzen Abstechern ins Dorf oder wir helfen Buddeln und lernen wieder humorvolle Engländer kennen, welche sich mutig im tiefen Sand festgesetzt hatten.
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In Çanakkale gehts nochmal zum Vorratskauf (wir lieben türkisches Essen!!) und auch die neue Moschee 18 Mart Hatime Ana Ulu Camii besichtigen wir. Was eine imposante Architektur! Viele Anwohner finden die Verwendung der Steuergelder allerdings nicht so gut investiert, da es schon genug Moscheen gibt. Übrigens, wir haben nur 2 Frauen mit Kopftuch in der ganzen Zeit gesichtet!
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Bevor wir die Türkei verlassen, sind wir noch zum Braai bei Metten und Familie eingeladen. Wir feiern bis tief in die Nacht und schwingen das Tanzbein. Uns beeindruckt wiedermal die türkische Mentalität mit ihrer herzlichen Gastfreundschaft (zur Unterhaltung wird oft der Google Übersetzer benutzt), wundervollem Humor, natürlicher Gelassenheit und dem ausgeprägten Familienzusammenhalt. Sie machen es leicht, sich wohlzufühlen und vergrößern den Abschiedsschmerz. Schnell fahren wir Richtung bulgarischer Grenze, stehen nochmal ruhig und versuchen der letzten türkischen Lira loszuwerden, was uns nicht gelingt, da wir zu Tee eingeladen werden und die Suppe fast geschenkt ist. Danke Türkei und seine Menschen für zwei bereichernde Wochen, wir kommen bestimmt irgendwann nochmal wieder, da wir doch nur sehr wenig vom Land gesehen haben.