16.6. – 2.7. (1.330km)

Wir sind gespannt, was uns in Bulgarien erwartet, einige andere Reisende warnten uns vor Kriminalität, schlechter Straßen und unfreundlichen Bewohnern. Wir lassen uns wie immer überraschen und werden vom totalen Gegenteil überzeugt und erfreuen uns an diesem kontrastreichen Balkanstaat mit reicher Kultur, beeindruckenden Bergmassiven nebst abwechslungsreichen Küsten- und Flusslandschaften.
Uns fällt auf, das die Menschen selten grüßen und auf den ersten Blick unfreundlich wirken. Es liegt wohl daran, daß einer lächelnden Person, schlechte Absichten unterstellt werden. Gefühle zu zeigen wird oft immer noch als Schwäche ausgelegt. Die Ursache liegt sicherlich an der kommunistischen Vergangenheit. Kommt man allerdings mit den Leuten ins Gespräch, sind sie genauso nett wie anderswo auf dem Balkan.
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Gleich die erste Nacht planschen wir an einem zauberhaften Wasserfall im Wald mitten im Strandzha National Park. Die Bulgaren sind etwas zurückhaltender als die Türken und wir müssen die Herzlichkeit etwas rauskitzeln, aber wir finden viele wundervolle Wildspots, ebenso wie gute Straßen und eine schmackhafte Küche vor.
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Da Chiara bald in Burgas landet, verbringen wir ein paar Tage zum Auskundschaften der Schwarzmeerküste bis runter an die türkische Grenze. Wir sind begeistert von der malerischen Steilküstenlandschaft mit versteckten Buchten, die sich abseits der Pauschaltouristengegend von Varna,Burgas und Goldstrand präsentieren.
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Auch der ältesten Stadt Bulgariens, Sozopol, statten wir schon einen Besuch ab und sind sprachlos von dieser historisch antiken Altstadt, gegründet 610 v. Chr. von den Griechen, mit Spuren von Römern, Osmanen und Bulgaren. Rund 180 prächtige Häuser der bulgarischen Wiedergeburt im typischen Schwarzmeerstil säumen die unter Denkmalschutz stehende Altstadt.
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Selbst Burgas empfinden wir als angenehm. Gute Infrastruktur (Gasflaschen auffüllen usw. war angesagt), breite Straßen und kein Verkehr. Klar viele hässliche Plattenbauten-aber oftmals bemalt und dafür viele Parks (mit der jährlichen Sandskulpturenausstellung) und eine belebte hippe Strandpromenade, an der wir freundlich empfangen wurden und übernachten konnten.
Während wir auf Chiara warteten besucht Robert noch das Flugzeugmuseum und dann fallen wir uns schon überglücklichen die Arme, endlich wiedervereint! Sogleich fuhren wir zu der absoluten Strandidylle: Dichter Wald mit dem tierreichen Tsarevo Fluss, welcher in die geschwungenen Bucht des Silistar Strandes ins glasklare Meer fließt. Unberührte Strandbuchten, Steilküstenpanorama, vulkanische Felsenformationen und Dünen mit seltenen Vogelarten laden zum Erkunden ein.
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Auch Hunde sind herzlich willkommen, Olga tobt sich richtig aus und so genießen wir 3 Tage entspanntes Strandleben und zwischendurch erfreuen wir uns an der Infrastruktur mit Strandbars und guten bulgarischen Snacks.
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Nach einem Stopp am Veliki Fluss mit Radtour und Schlangenbeobachtung, unternehmen wir eine Bootsfahrt auf dem Fluss Primorsko im Ropotamo Naturpark. Die Eisvögel sind zu schnell zum Fotografieren, aber die verwunschene Sumpflandschaft mit ihrer artenreichen Tierwelt lädt zum Staunen ein.
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Mit Chiara tauchen wir nochmals ein in das Flair der Hafenstadt Sozopol mit ihren prächtigen Bürgerhäusern aus dem 18./19. Jahrhundert. Entzückt lassen wir uns treiben vorbei am Kunstmarkt, durch die Gassen zu den Stadtmauern, vorbei an byzantinischen Kirchen und vielen leckeren Essenständen bis zum Stadtstrand. Hier lässt es sich genussvoll in all den Strandbars entspannen und die wunderbare, schmucke Atmosphäre aufsaugen.
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Eine Hitzewelle lässt uns zügig vorbeifahren an kilometerlangen Sonnenblumenfeldern bis in eine der ältesten Städte Europas: Plovdiv. Ein Stück Weltgeschichte begleitet uns auf unserem Spaziergang durch dieses seit 8000 Jahren bewohnte historische Schmuckstück. Auf nostalgischen Kopfsteinpflastern bestaunen wir hübsche Wiedergeburtshäuser, anmutende Klöster, das römische antike Theater, die Dzhumaya Moschee und die große Basilika.
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Die andauernde flirrende Hitze lässt uns zum wunderschönen, auf 1000 m Höhe gelegenen Batak See in den Rhodopen Bergen flüchten. Hier darf endlich, aber erfolglos, geangelt werden und wir sitzen den Regen gemütlich aus in unserem Wohnmobil oder wandern am idyllischen Seeufer entlang, mit Blick auf eine Insel, ein wahres Vogelparadies.
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Durch andere Reisende angeregt fahren wir noch weiter hoch in die bezaubernden Rhodopen, ein bewaldetes Rumpfgebirge auf 2000 m Höhe. Eine mystische Bergwelt aus warmen Bergseen, schäumenden Flüssen, zerklüfteten Kalksteinschluchten, uralten Nadelwäldern und abwechslungsreichen Wiesenauen. Ein abgelegener traumhafter Angelsee lädt uns ein zum Verweilen, angeln, schwimmen und schnell kommen wir ins Gespräch mit vielen äußerst freundlichen Bulgaren! Wir erfahren mehr über die Heilkräfte dieses Fleckchen Erde: Hier gibt es die Dörfer der Hundertjährigen dank der besonderen Joghurtkulturen, der reinsten Luft, heilenden Kräutern, mineralhaltigem Wasser aus uraltem Quellwasser, verschiedensten Pilzsorten, schmackhaftestem Honig und das gesunde Landleben nach alten Traditionen. Auf verschlungenen Wald- und Wiesenpfaden wandern wir entlang gluckerndem Quellwasser und murmelnden Bächen, unter rauschenden Bäumen, vermischt mit Insektengesumme und Gebrumme auf prächtigen Blumen aller Formen und Farben und duftenden Kräutern. Kein Wunder stellt diese magische Region ein seltenes Refugium dar für viele rare Insekten, Vögel und Schmetterlinge nebst Bären, Wölfen,Adlern und Wildkatzen. Wir identifizieren dank Chiara und ihrer App Tierspuren, aber auch seltene und essbare Pflanzen, Blüten, Beeren und Kräuter und sammeln für Salate und Tees. Soviel Einsatz macht müde an der frischen Bergluft!
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Leider mussten wir uns dann doch loseisen und fuhren zügig entlang durch den Luftkur- und Thermalbadort Velingrad und der Hauptstadt Sofia in das Balkangebirge. Viele Storchnester und Flüsse ziehen an Panoramastrecken an uns vorbei, und wir finden wieder einen kleinen Angelweiher an den uns ein Opa im Dorf freundlich einlädt. Unser letzter Stopp ist die Festungsanlage Belogradchik, imposant in die mächtigen Felsen erbaut im 1. Jh.n.Chr. von den Römern. Allerdings bin ich (Robert) mit klein Berti erstmal am Parkplatz beim einparken, in ein Abdach gefahren😔. Das Loch haben wir nur mit Teerband zugeklebt, um es später dann anständig zu reparieren. Trotzdem imponieren die Rosa gefärbten Sansteinformationen, welche sich auf gewaltige Weise als hoch aufragende Pfeiler und Nadeln empor türmen und bieten eine bizarre Atmosphäre mit ihrer integrierten Kaleto Festung.Es lohnt sich hierher zukommen, auch der hübsche Ort und die nah gelegene Magurahöhle sind einen Besuch wert.Wir fahren auf Sandstrassen durch ursprüngliche Landwirtschaftliche Gebiete mit herzlichen singenden Dorfbewohnern Richtung serbischer Grenze. Bulgarien du hast uns beeindruckt und es gäbe noch soviel zu bestaunen!