3.9. – 13.9. (1.094km)

Schottland, du hast uns in deinen Bann gezaubert! Landschaft wird zur Poesie mit majestätischer Natur in unberührten Tälern, geheimnisvollen Seen, weitem Himmel, schroffen Küsten, verwunschenen Burgen und Schlössern, dramatischen Bergkulissen und tosenden Wasserfällen. Dazu noch ein bisschen stürmische Geschichte bei einem Glas Whiskey zu Dudelsack Musik in einem urigen Pub, dann wird selbst das eigene Wetter Schottlands gemütlich!
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Endlich darf Chiara Robert, Omi Eveline und mich mitnehmen in ihr neues Zuhause Schottland. In Edinburgh bekommen wir unseren kleinen Mietwagen und nach ein paar Falschfahrten kommen wir doch noch in Stirling im zentralen Schottland an und Chiara zeigt uns ihre Lieblingsplätze dieser gemütlichen Stadt. Ihre Wohnung liegt mitten in der Altstadt und wir erkunden sofort das auf einem schroffen Vulkanfelsen gelegene Schloss und den Friedhof, als wir das unberechenbare Wetter Schottlands kennenlernen. Binnen Sekunden wechseln sich Regen, Sturmböen, Sonne, eiskalter Wind oder Nieselregen ab, so schnell hat man gar nicht den Schirm aus und eingepackt. Chiara hat uns dann ihr gemütliches Lieblingscafé gezeigt: “The Mint Cafe”. Zwischen vielen Leckereien und wärmendem Chai erblicken wir noch das National Wallace Monument, ein Turm aus dem 19. Jahrhundert. Auf einer Felsnase gelegen, überblickt es den Schauplatz der grausamen Schlacht von Stirling Bridge. Hier hat William Wallace die Engländer besiegt…wer kennt nicht den Film Braveheart ?
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Am nächsten Tag konnten wir uns endlich ein Bild von Chiara Studentenleben als Tierbiologin machen, als sie uns durch die University of Stirling führte. Am liebsten hätten wir uns auch gleich eingeschrieben für einen Kurs. Eine tolle moderne Uni mit allen Ausstattungen auf einem Parkgelände mit See, Schloss,Wald und Ausblicken in die beginnenden Highlands.
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Nicht weit entfernt von der Universität zeigt uns Chiara noch ein beliebtes Ausflugsziel: Alva Glen in den Ochill Hills. Ein schöner kleiner Wanderpfad schlängelt sich entlang alter Schmugglerpfade und ihren Höhlen zu mehreren Wasserfällen in dieser einsamen Schlucht.
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Nach diesen schönen und persönlichen Einblicken in einen schottischen Alltag geht unsere 1-wöchige Tour los. Wir fahren entlang des Loch Lomond und Trossach Nationalpark, eine einsame Weite empfängt uns mit lieblichen Moortälern oder Ebenen voller Schafen und den typischen Cottages und Steinhäusern. Eine wahre Wonne hier entlang zu fahren, obwohl die Einzelstraßen selbst mit PKW als mal eng werden, siehe Roberts Fahrermiene. Erstmal ein kurzer Abstecher in die Küstenstadt Helensburgh für eine frische Meeresbrise an der Strandpromenade, dann wieder an den See. Blumenwiesen wechseln sich ab mit Mooren und Flüssen bevor wir hungrig in den urigen “The Drovers Inn” einkehren und uns Haggis, das berühmte schottische Gericht schmecken lassen.
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Der malerische 10 m hohe Wasserfall des Flusses Falloch lädt ein zum Wandern bevor wir das Tal Glencoe, geformt von Gletschern und Vulkanen, erreichen. Dieses spektakuläre Tal ist eine einzige Traumkulisse an verwunschenen Mooren, rauen Bergflanken, Aussichtspunkten in unendliche Einsamkeit und Wildblumenwiesen entlang des Flusses Coe. Hier hätten wir doch am liebsten einen ganzen Sommer lang mit unserem Wohnmobil oder besser noch der Orange wild in einem Seitental gestanden.
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Bei herrlichstem Sonnenschein erfreuen wir uns an diesem Panorama und können uns nur schwer loseisen, um in unsere Unterkunft nach Onich zu kommen. Hier spazieren wir später noch von unserem Cottage in die Wälder hinein, mit Blick auf Loch Linnhe. Hier duften die Wälder besonders würzig und überall gibt es Beeren zu naschen.
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Da der nächste Tag bewölkt startet, wärmen wir uns erstmal auf in der Whiskey Distillery Ben Nevis am gleichnamigen Berg, der sich heute aber in Wolken hüllt.
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Spontan entscheiden wir uns, die Route zu ändern, und wir fahren entlang des Loch Shiel zum Glenfinnan. Wir kommen nur sehr langsam voran, dieses Tal ist Schottland wie aus dem Bilderbuch, denn hinter jeder Kurve wird es romantischer und ursprünglicher! Schon von weitem erblickt man den berühmten “Harry Potter” Viadukt, eine 380 Meter lange Brücke. Glücklicherweise ist die Dampflok gerade durchgefahren, sodass die Menschenmassen verschwinden und wir einen Parkplatz ergattern. Wir betrachten das Glenfinnan Monument, auf deren Spitze ein einsamer, steinerner Highlander über das Tal wacht stellvertretend für alle Highlander, die ihr Leben in grausamen Krieg 1745 gegen die Engländer verloren.
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Der Jacobite Zug passiert uns noch, bevor wir die Küstenstraße entlang Portnaluchaig nehmen und tauchen unsere Füße in das eiskalte glasklare Meer, bevor wir in der schönen Küstenstadt Mallaig uns noch leckeren frischen Fisch munden lassen. Wir bekommen eins der letzten Tickets für die Fähre und schon schippern wir bei wechselndem Wetter (was sonst) auf die Isle of Sky, auch Wolkeninsel genannt.
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Da im Hostel in Kyleakin so gut wie keine Küche vorhanden war, sind wir rüber zur Kneipe um zu essen. Bier war nicht als solches zu erschmecken und die Erbsensuppe war mit das billigste auf der Karte, für 9 Pfund dachten wir allerdings wir bekommen einen großen Teller. Es kam eine Tasse mit der schlechtesten Erbsensuppe, die wir jemals gegessen hatten. Am nächsten Morgen ging es endlich los – die größte der Hebriden Inseln präsentiert sich uns ungezähmt und abwechslungsreich. Als Erstes unterbrechen wir die Fahrt der Ringstraße an der alten Steinbrücke Sligachan, ein schönes Fotomotiv vor Hintergrund der Black Cuillin Mountains. Es lohnt sich hier früh morgens anzukommen, bevor die Reisebusse eintreffen. Die Hafenstadt Portree war überlaufen, aber die kleine Promenade recht hübsch, der Hotdog danach nicht essbar (irgendwie werden wir nicht so warm mit dem schottischen Essen). Chiara und ich haben nach der ganzen Autofahrerei beschlossen, die Herausforderung anzunehmen und sind zur 48 Meter hohen markanten Felsnadel Old Man of Storr hochgewandert, schweißtreibend und anstrengend, aber sowas von lohnenswert, diese Aussicht!
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Wir folgen der Ringstraße und stoppen mehrfach an spektakulären Aussichtsplätzen und können uns nicht sattsehen an dieser Fülle an fesselnden Naturschauplätzen. Beim Kilt Rock mit dem Mealt Falls erblicken wir sogar eine Delfinschule in der Bucht. Nun ging es aber Bergauf ins Inselinnere – wir erklimmen die imposanten Felsformationen des Quiraing, entstanden vor vielen Millionen Jahren aufgrund großer Erdrutsche. Diese spiegeln das so typische Landschaftsbild Schottlands wider. Der Blick bis zur Bucht von Staffin ist grandios und man kann wunderbar wandern.
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Über geschwungene Straßen geht es auf der Westseite wieder bergab und wir lassen uns im verwunschenen Tal der Feen verzaubern. Hier braucht es auch nicht viele Worte, die Bilder sprechen für sich. Wir können nur hoffen hier wird bald den ganzen Selfie-Influencern Einhalt geboten, die überall für ihre Follower rumklettern müssen und die Torfhügel zerstören.
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Noch einmal schnell vom rasanten Wetterwechsel überrascht und schon treffen wir ein in unserem kuscheligen Cottage in Carbost und bestaunen den Regenbogen, welcher erstrahlt wie bestellt zum Anstoßen auf Roberts Geburtstag. Abends gibts im Pub des Old Inns leckeres Bier, gute Hausmannskost und da zufällig noch jemand Geburtstag feiert auch geniale live Musik. Als sich dann noch afrikanische Stimmen einiger Studentinnen aus Stirling spontan harmonisch vereinen mit der rauen Stimme des Geburtstagskindes tobt der ganze Pub und es wird die ganze Nacht gefeiert! Der nächste Morgen beginnt daher träge mit der geschlossenen Talisker Whiskey Destillerie und überlaufenen Fairy pools, daher stoppen wir nur kurz bei einem kleinen Whiskeyladen bevor wir die beeindruckende Insel verlassen. Wir suchen die Hochlandrinder bei einem Abstecher nach Duirinish und Plockton, reizende Landschaft mit schmucken Dörfern, aber keine Rinder. Stattdessen wartet die Burg Eilean Donan Castle auf uns, erbaut im 13. Jahrhundert als Schutz gegen die Wikinger und auf einer vom Meer umschlossenen Landzunge erbaut. An unzähligen Lochs geht es direkt weiter an das berühmteste Lochs Schottlands, aber Nessi lässt sich auch heute nicht blicken!
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Bei stürmischem Wetter machen wir es uns lieber gemütlich in Leakey’s Bookshop in der alten Kathedrale in Inverness bevor wir die Küstenstadt Nairn erreichen. Ein ruhiger Stadtbummel und Strandspaziergang tut gut nach all den vielen Eindrücken. Wir wunderten uns schon, warum die Gastgeber unseres schnuckeligen Cottages sich nicht blicken lassen, bis wir die Zeitungen erspähen, mit der Nachricht der verstorbenen Queen.
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Mitten in Nairn finden wir sie endlich – unsere ersten Hochlandrinder, auch Kyloe genannt, die älteste registrierte Viehrasse der Welt (1884). Auch wie sonst überall scheint Robert der Name zu sein in Schottland, Robert fühlt sich ganz wie zu Hause. Da uns das Wetter so mit Sonnenschein und Windstille beglückt, verleben wir 2 richtig schöne Strandtage. Die bunten Häuser stehen bei Findhorn am Strand und zusammen mit der Wassertemperatur und dem gemeinsamen Toben der Kinder und Hunde erinnert uns das stark an unser geliebtes Kapstadt.
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Findhorn ist ein entspanntes Dorf mit versteckten schmucken Ecken und wir verweilen noch im Farmstore bevor wir endlich weiterziehen in den Cairngorms Nationalpark. Auf einer Panoramastrecke vorbei an Bilderbuchbergen, Flüssen, Seen, Burgen, Schlössern, Bauernhäuser – kein Wunder, die Königsfamilie hat hier ihre Sommersitze!
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Wir kehren ein ins urige Smugglers Hostel in Tomintoul und bummeln durch die Dorf- und Schnapsläden – auch hier übrigens überall Schilder, dass Tiere herzlich willkommen sind – denn die Schotten verreisen gerne nicht nur mit Hund, sondern auch mit Katze! Die idyllische Landschaft lädt zum Wandern ein und es gibts sogar noch kleine Hochlandrinder inmitten saftiger Wiesen!
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Auf unserer Weiterfahrt muss die Route immer wieder geändert werden, weil alles abgesperrt und von Tausenden Hütchen blockiert ist und von hunderten an Polizisten bewacht wird – wer kann denn auch ahnen, dass kurz hinter uns die Karawane mit der Queen im Sarg losfährt von Schloss Balmoral nach Edinburgh. Im Hochland von Kinross und Perth erblicken wir viele kleine Bäche, die zusammenströmen aus den südlichen Grampians und das sogenannte Sheewater bilden. Der Ausblick am Devil’s Elbow begeistert und wir genießen die Stimmung zusammen mit vielen Schafen.
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Noch ein paar Hirsche lassen sich blicken, bevor wir ausgehungert in Pitlochry ein Restaurant stürmen und nach einem weiteren Einkaufsbummel (Robert hat nun einen schicken schottischen Hut) bei Regenwetter wieder Stirling erreichen. Hier verbringen wir noch geruhsame Bummeltage, bevor wir uns traurig von Chiara verabschieden und nach Berlin fliegen. Dort will Robert endlich mal wieder in eine gescheite Wurst beißen, angesichts der Preise schmeckts dann aber nur halb so gut. Schottland war ein einziger Traum und wir können nicht erwarten Chiara dort nochmal zu besuchen!