18.12. – 23.3. (3.098km)

Und schon saßen wir bei Markus im Auto Richtung Flughafen, mit tausend Gedanken im Kopf… Was erwartet uns in Europa, wie wird die Einreise wegen der Quarantäne klappen (so viele Regeln, keiner blickt mehr durch), Flug mit den zwei Tieren, was wird klappen und was nicht…wird Heimweh uns plagen? Das Einchecken ging schnell und auch die Tiere waren kein Problem…obwohl die auf Diät gesetzte Olga zuviel Gewicht hatte, dank einer Erkundungstour morgens, wo sie heimlich sich den Bauch vollschlug mit Antilopen Kötteln. Wenigstens wurden diesmal die Tiertransporttaschen kontrolliert beim Check-in. Vor lauter Gepäck haben wir unseren großen Handgepäckkoffer stehen lassen, aber der Windhoeker Flughafen ist klein, und der Koffer wurde nach 45min. zu uns gebracht… mittlerweile kannte uns dank der Tiere der ganze Flughafen. Im Flugzeug durften wir eine ganze Mittelreihe besetzen, sodass zwischen den Tieren unsere Füße auch noch Platz fanden und keine Yoga Verrenkungen nötig waren. Wieso muss man eigentlich die ganze Zeit Schnappatmung betreiben unter der Maske, um diese dann alle zeitgleich zum Essen abzunehmen ?? Wie immer sehen wir aus wie zerknautschte Zombis nach der Landung, da hat selbst die 1. Polizeikontrolle am Flugzeugausstieg Mitleid und schaut nur schnell über die Pässe. Vor der 2. Kontrolle eine lange Schlange… Wir mittendrin in einer plötzlich aufkeimenden Duftwolke… schön soviel Abstand zu bekommen auf einmal! Da dämmerts mir und ich flüchte mit Katze in den nächsten Wickelraum.. jaja, fliegen wie mit kleinen Kindern! Die 2. Kontrolle ist sehr streng, mit Checken der PCR Tests, Quarantäne usw. Wir werden irritiert angeblickt bis die Polizisten lachen und feststellen, dass die seltsamen Geräusche nicht von meinem Magen stammen, sondern eine Katze dabei ist. Ein kurzer Blick und ein gemurmeltes “ihr habts ja wohl auch grad andere Probleme” und schon sind wir bei der Passkontrolle und wie immer wirkt auch hier unsere afrikanische Taktik: Einfach einen Riesenstapel an wichtig aussehender Dokumente mit vielen Stempeln, welche keiner versteht (alles auf Französisch) vorgelegt, es wird wichtig geschaut und zack sind wir eingereist. Keiner will ab hier irgendwie irgendwo was wissen, wie wir unsere Quarantäne in Frankreich absitzen. Ich hätte auch die zur Option stehenden Quarantäneadressen “Krankenhaus, Kaserne, Gefängnis, Obdachlosenheim” auf dem Formular ankreuzen können, total egal! Auch die tierärztliche Kontrollstelle befindet anhand der riesen Mappe an Tierdokumenten “alles in Ordnung” und schon fallen wir kreischend unserer Freundin Hedi in die Arme! Ab gehts nach Frankreich, mit einem Zwischenstopp in der Pfalz auf einen 1. Willkommens Sekt, soviel Zeit muss sein! Liebe Hedi und Gerd, an dieser Stelle ein dickes Dankeschön!
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Über Schleichwege ohne Grenzkontrollen fahren wir nach Frankreich zum 1. Familienstopp und wegen unserer Stempel im Pass werden wir auch die 14 Tage Quarantäne hier verbringen, aber wenigstens mit Garten und Familienanschluss. Unsere Tochter Chiara soll auch einfliegen. Da ja alle Politiker verrückt sind, wird vor dem Abflugtag von Chiara ein Einreiseverbot von England nach Frankreich verhängt. Jawoll. Wieder mal heißt das clevere Planung und Recherche… Was sagt man wo bei welchem Umsteigeflughafen und welche Pro forma Dokumente braucht es und welche Route ist machbar! Von Schottland nach Holland nach Luxemburg fliegen, dann auf Schleichwegen per Auto über Deutschland nach Frankreich. Wir lassen uns ein langersehntes Wiedersehen nicht kaputt machen! Alles klappt! Somit genießen wir als Familie zusammen unseren 20-jährigen Hochzeitstag, Weihnachten und Silvester. Wir lachen, trinken und kochen viel, schlemmern uns durch die französische Küche und liegen bei jedem Sonnenstrahl im Garten. Die Tiere sind entsetzt in ihrem dünnen Sommerfell, aber leben sich ansonsten gut ein. Leider verpassen wir nun den 70. Geburtstag von Roberts Mama, weswegen wir ja eigentlich extra zu dieser Jahreszeit geflogen sind. Ein herzliches Dankeschön an Edgar und Ursel für alles: danke für all die Prösterchens, die Gourmetküche, das Tiere knuddeln, den Marathon um Chiara abzuholen usw. ! Am 3.1. war es dann soweit: Per Zug mit PCR Test ging es endlich los: zu unseren lieben Reisefreunden den 6 Westfalen nach Oelde, denn da wartete auch unser Internetkauf auf uns, das Oldtimer Wohnmobil Berti. Was uns da wohl erwartet?
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Fantastische Ausblicke aus 3 verschiedenen Zügen ließen uns die Fahrt entspannt genießen. Entlang der Saar Schleife und der Mosel ging es direkt durch die Weinregionen, mit Blick auf Flüssen, Weinhängen vorbei an Fachwerkhäusern. Auch die Fahrt durch Wuppertal erfreute mich (Beate), denn es gab den Blick frei auf die Schwebebahn, welche ich so oft benutzte während meiner Schulzeit dort. Das Umsteigen erwies sich wie immer als hektisch mitsamt Gepäck und Olga in ihrer Tasche, denn auf diverse Verspätungen der Deutschen Bahn war wie immer Verlass. Mittlerweile übertreiben es alle, denn ständig trafen Benachrichtigungen ein auf dem Handy, dass der Zug 1 Minute Verspätung hat, dies wieder einholt oder nicht. Das sollten sie mal in Afrika probieren, da weiß oft keiner an welchem Tag der Zug abfährt… Das Maske tragen war nervig, aber zum Essen darf man diese absetzen, naja, haben wir halt die ganze Zeit was zum Essen in der Hand. Den PCR Test wollte keiner sehen, aber gedroht wurde mit Bußgeld im 10-Minuten-Abstand wenn man diesen nicht hat. In Oelde erwarteten uns unsere Reisefreunde Familie Vosseberg der 6 Westfalen, sie waren während ihrer Afrikadurchquerung zu Freunden gewachsen. Die Wiedersehensfreude war Riesengroß! Als wäre keine Zeit vergangen, wurden 3 Tage herzlich und gemütlich durchgequasselt. Tut das gut, wieder andere Reisende zu treffen! Auch stand hier unsere neues Reisegefährt, ein Fiat Ducato Wohnmobil, die dicke kleine Berti. Wir haben sie über Ebay Kleinanzeigen gekauft. Sie ist Bj.1989 und hat erst 360.000km runter. Jochen hatte es sich angeschaut und ist einmal gefahren. Wie gedacht, erwartet uns da sicher ein bisserl Arbeit, aber nix was wir nicht gerne anpacken. Zudem hat diese liebe Reisefamilie alles für uns organisiert zwecks Wohnmobil Anmeldung, Versicherung usw. Denn man darf zwar ohne Wohnsitz ein Auto im eigenen Namen registrieren, insofern man eine Bestimmungsperson autorisiert, aber ein Oldtimer darf nur als Zweitwagen angemeldet werden. Zutiefst dankbar verabschiedeten wir uns, um zur Familie nach Brandenburg weiterzufahren. Ihr liebsten “Grüdianer” wir können uns gar nicht oft genug bedanken für all eure Hilfe und Unterstützung, ihr seid eine großartige Familie! Hoffentlich auf bald!
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Über die Autobahn tuckerten wir Richtung Harz zum Zwischenstopp in Northeim. Hier wartete gleich das nächste Wiedersehen mit Reisenden, die wir in Windhoek kennenlernten: Perry und Ellen. Auch hier pure Gastfreundschaft mit endlosen Gesprächen voller Freude in einer gemütlichen Küche in einem Bauernhaus. Hier empfing uns morgens der erste Schnee.. Olga rannte entsetzt, mit ausquellenden Augen und zitternd über den Hof, Chiara ganz begeistert baute einen 10cm Schneemann. Ein bisschen mussten wir aber doch beschäftigt werden, denn es ergab sich der 1. Zwischenfall mit Berti: Ca. 200km bevor wir ankamen, ging die Batterieleuchte an, auch die Heizung fiel aus. Symptome wurden ignoriert und natürlich auch keine Ursachenforschung betrieben. Einfach weiterfahren war angesagt. Als wir ankamen, hab ich (Robert) dann doch mal geschaut was denn los ist. Die Keilriemenscheibe war von der Kurbelwelle gefallen (da der Kurbelwellenbolzen nicht fest war) und hing im Keilriemen, schaukelte so vor sich hin. Somit stand die Wasserpumpe. Ich habe ja schon viel erlebt, aber das der Motor nicht heiß wurde und kaputtging, haben wir den winterlichen Temperaturen zu verdanken. Wir mussten also nur einen passenden Bolzen besorgen. Was für ein Glück!!! Wir haben ja schon viel gemeckert über afrikanische Lieferzeiten von Ersatzteilen bzw. Kundenservice, aber Deutschland ist noch viel schlimmer! Finde erstmal einen kompetenten Berater in irgendwelchen Hotlines, der mehr kann, als 1x klicken auf dem Computer und sein Hirn anschalten will und kann. Perry’s unermüdlichen Bemühungen sei Dank, konnte eine Lösung gefunden werden. Während wir auf die Rückrufe diverser Warteschleife wartete, durften wir für uns in einen besonderen Genuss kommen: Wir besuchen alle zusammen die wunderschöne Fachwerkstadt Eimbeck. Staunend begutachteten wir Jahrhunderte altes Handwerk, Fachwerkbalken, Gewölbekonstruktionen und Holzschnitzereien. Detailverliebt liefen wir durch restaurierte Gassen, mit Stopps zu Senfverköstigungen und kleinen Läden. Hier im Bundesland Hessen durften wir nämlich überall hinein, denn da war es egal, dass wir “nur” mit Sputnik geimpft waren. Der Harz hat uns landschaftlich begeistert, plus entspannte Menschen und leckerste Senf und Schinkensorten. Ein Besuch lohnt sich! Auch hier ein Riesengroßes Dankeschön, ihr seid fantastisch und wir hoffen uns nochmal begegnen zu dürfen.
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Niemegk liegt mitten im hohen Fläming, einer flachen, aber reizvollen Landschaft. Mit der Burgenlinie oder dem Fahrrad kann man sich gemütlich zwischen leckerem Forellen essen, Burgen, Kunstlehrpfaden, historischer Altstadt Bad Belzig, dem Bach “Plane”, Lehmstichen zum angeln und alten Bauernhöfen bewegen. Zwischendurch auch Familien und Freundes besuche und einiges zum Aussortieren, sodass jeder Tag schnell rumging. Hier erlebten wir den deutschen Alltag mit allem, was dazugehört. Ich (Robert) habe mich riesig gefreut das meine Neffen ein Schwein geschlachtet haben und ich mitmachen durfte! Das Wetter war für uns ein erträgliches Grau, entsetzter sind wir über die deutsche Politik und das Verhalten der Menschen hat sich durch Corona schon verändert, sodass wir uns nicht mehr wirklich wohlfühlen. Den Tag vor Chiara’s Abflug zurück zum Studieren in Schottland erfüllte uns mit einem Wiedersehen in Berlin mit unseren liebsten Freunden aus Berlin, Nadine, Holger und Efia. Die ganze Nacht wurde durch philosophiert, alte Zeiten in Windhoek wiederbelebt und der Alltag in Deutschland analysiert. Wie wunderbar, dass es noch Gleichgesinnte gibt und egal wie lange man sich nicht gesehen hat, es fühlt sich an wie gestern, als wir den Container zusammen packten in Windhoek. Traurig verabschieden wir uns, sind wir uns doch sehr nahe nach 18 Jahren Freundschaft. Chiara noch verabschieden am neuen Berliner Flughafen, der mal durch ganz und gar unbeeindruckten ist. Nachdem endlich Berti startklar war besuchten uns noch andere Reisefreunde, Conny und Tommy, auch wir teilten 2 Tage lang Reiseideen und Anekdoten. Herzlichen Dank auch an euch beide, dass ein wunderschönes Wiedersehen geklappt hat!
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Wir dachten in unserer Unbekümmertheit, dass wir Deutschland kennen und sogar nicht vorbereitet, einfach mal im Winter mit einem Oldtimer Wohnmobil rumfahren könnten. Dank der Winterstürme sind wir am 1. Tag gleich mal von der Autobahn runter – Wind verträgt Berti gar nicht…. Mit 50 km/h schlichen wir durch die letzten Bauerndörfer um dann im Fichtelgebirge im Schneesturm zu stranden neben der Straße. Da wir durchfahren wollten, hatten wir noch nicht mal ein Tropfen Wasser mit. Olga trank Schnee und wir heißen Glühwein zum Abendessen. Wenigstens hatten wir dicke Federdecken, welche dann festfroren am Alkoven. Sooooo kalt war es… Typisch dass uns das hier passierte, hatte ich doch 4 Jahre lang hier meine Ausbildung gemacht und beschlossen ich muss zurück in die Sonne nach Afrika! Es hat sich nix verändert! Meine Zehen schon blau ging es dann hinter dem Schneepflug los, am nächsten Morgen im Schneckentempo durch den Bayerischen Wald nach Oberbayern zu meiner Familie. Also wer Abenteuer sucht, muss nicht in den Busch nach Afrika! Bei Leberkas, Weisswurscht und Weissbier tauten wir auf und halfen meiner Mama mit Umzugsvorbereitungen, mit kleinen Pausen bei meiner Schwester und Familie oder am See mit Weitblick in die schneebedeckten Alpen. Mit einem Zwischenstopp bei lieben Freunden in Untermeitingen fuhren wir zwischen den Sturmwarnungen noch zurück nach Frankreich.
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Auf Landstraßen zieht sich die Strecke, aber wir erfreuten uns an malerischen Dörfern, verwinkelten Gassen, Ausblicke auf Seen, Berge und Flüsse. Der Schwarzwald empfing uns mit Schnee und Serpentinen, Panoramastrecken, bevor wir über den Rhein im Elsass in Frankreich einreisten, auch hier keine Kontrollen. Durch Fachwerkdörfer und die Vogesen erreichten wir gerade noch rechtzeitig vor dem Sturm Lothringen. Wieder eine schöne Woche mit Edgar und Ursel, mit lecker Essen, Spaziergängen um den hübschen Hirrbacher Weiher und vielen Aperitifs. Zwischendurch noch Bertis Dach abdichten, denn es tröpfelte rein…ja, so ist immer was zu tun.
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Zurück durch den unteren Schwarzwald, dem Allgäu mit Panoramablick auf die Zugspitze und wild campen bei Kempten (es war wieder so kalt, wir werden wohl keine Wintercamper..) erreichten wir wieder den Simssee. Hier ist noch bayerische Landidylle pur. Der See liegt malerisch eingebettet im Landschaftsschutzgebiet mit Blick auf die Alpen. Der Steg bei den Simsseestuben zählt zu den schönsten in Bayern. Jeden Tag erleben wir Sonnenschein und spazieren oder radeln am See entlang, insofern uns der Umzugsplan Zeit lässt. Roberts Familie kommt auch zu Besuch und gemeinsam erfreuen wir uns an schmackhaften bayerischen Schmankerln im Restaurant oder bei meiner Familie. Auch ein Ausflug mit der Seilbahn auf die Kampenwand darf nicht fehlen, es ist einfach herrlich hier in den Alpen. Sonne, Schnee, Bergspitzen, Wald und Schluchten und zum Aufwärmen Nockerlsuppe.
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Da meine Mama von einer Idylle zur anderen gezogen ist, genießen wir daraufhin den ebenso schönen Chiemsee zwischen Reisevorbereitungen und 2. Biontech Impfung in der Bierausschankhalle, ja so gehts in Bayern. Es wird auch verhalten der Kopf geschüttelt anhand unserer Impfkombination, die ja nur politisch als ungültig erklärt wird, medizinisch gesehen ist das jawohl eine ganz andere Sachlage. Noch ein paar Tage auf unserem unter Naturschutz stehenden Grundstück, wo wir bei Sonnenschein und Saukälte doch schon angrillen mussten… und dann hieß es: Süden, wir kommen!
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