3.2. – 2.3.2021 (1.618km)

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Uganda – es gibt Länder in denen man sich (trotz nerviger Grenzformalitäten in Coronazeiten) sofort wohl fühlt – so erging es uns vom ersten Moment an in Uganda – ein traumhaftes Reiseland mit spektakulären Landschaften, einzigartiger Tierwelt und überaus freundlichen Menschen!
Nachdem der Samoosaverkäufer auf dem Moped erfolgreich eingeholt wurde und auch die Simkarte erstanden war, ging es direkt an den Lake Nagubago in das Orchid Village Camp mit wunderschön angelegtem Garten und einer vielfältigen Vogelwelt zum entspannen – nachdem wir auf dem Rasen gleich erst mal einsanken und buddeln mussten. Zu Chiara’s Geburtstag ging es ins Nachbarcamp zum schwimmen (nebenbei stand noch ein Experiment für’s Studium an). Spontan gab “Henry The Magnificent” seine Zauberkünste zum Besten – sein Adoptivvater Dave leitet das tolle Projekt Omacan (www.omacan.com).
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Vom See ging es entspannt durch Masaka zum Lake Mburo Nationalpark in das Leopard Camp vorbei an grossen Herden der Ankole Rinder mit ihren riesigen, ausladenden Hörnern. Aufgrund der Parkgebühren spazierten wir zum Sundowner nur Richtung Eingang herum – und wurden von herumwuselnden, gar nicht scheuen Zebras, Warzenschweinen, Impalas und Wasserböcken begleitet.
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Auf einer sandigen Serpentinstrasse holperten wir herunter zum malerischen Bergsee Bunyonyi im ostafrikanischen Grabenbruch, in das dortige Overland Resort, idyllisch am See gelegen. Eine entspannte Bootsfahrt, nachdem morgendlichen Bad im See, eröffnete uns die artenreiche Vogelwelt, eine ehemalige Leprastation auf der Insel Bwana, Zebras, Kronenkranich und Wasserböcke als Inselbewohner, Besuch von Sharp Island’s Blumengarten und zuletzt die Grasinsel “Punishment island” (vorletztes Bild), hier wurden unverheiratete schwangere Mädchen ausgesetzt….
Zügig fuhren wir weiter auf bester Teerstrasse die Berge hoch auf über 2500m, mit herrlichen Ausblicken in die bewirtschafteten Täler, hier wird auch jeder Zentimeter landwirtschaftlich genutzt und es gibt nur noch wenig Wald. Ziel war Kisoro und das dortige Büro der Uganda Wildlife Authority: Aufgeregt fragten wir dort nach den Permits für das Gorilla Trekking im Mgahinga Park. Dank der Anwesenheit der 9-köpfigen Gorilla Familie Nyakagezi, des momentanen Discounts und der Möglichkeit Katze und Hund aufpassen zu lassen, durften wir zu dritt diesen Traum zusammen wahr werden lassen. Die Anfahrt zum Muhabura Ranger Post war allerdings ziemlich schlecht.
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Schon als Kind hundertmal Diane Fossey im Film Gorillas im Nebel verschlungen, und doch kann man es nicht in Worte fassen und nichts in der Welt ist zu vergleichen wenn man durch den atemberaubenden Bergurwald klettert am Fuße der 3 Virunga Vulkane und auf einmal das trommeln der Gorillas hört und ihre Anwesenheit spürt…. und dann raste er los, der Silberrücken – was ein Show zur Begrüssung, Chiara und ich duckten uns gleich zusammen auf den Boden und der Guide warf sich zu uns, sonst hätten wir uns wohl berührt als Willkommensgruss. Sofort waren wir von der mysthischen Stimmung im tiefen Wald eingehüllt, umgeben von den wundervollsten Geschöpfen dieser Erde.
Da wir drei ganz alleine waren und auch alle Gorillas völlig ruhig waren, haben uns die Führer nach einer Weile erlaubt dichter an die Tiere ranzugehen. Der zweite Silberrücken in command hat die ganze Zeit geschlafen und sich nicht von uns stören lassen, ganz im Gegenteil, er ist immer näher an Robert heran gerollt und Beate sass ihm in die tiefsinnigen Augen blickend gegenüber. Ein 4 Monate altes Baby, friedlich spielend vor uns mit der Mama gab es auch zu unserem Verzücken, so herzig! Eine hochschwangere Dame war auch anwesend. Die 2 Jungsters tollten in den Bäumen über uns und verpassten uns eine Gorilladusche! Wenn man so nah bei ihnen ist und sieht wie ruhig und sanft sie sich untereinander verhalten, könnte man fast meinen sie sind vielen Menschen in dieser Beziehung voraus. Insgesamt eine sehr berührende Begegnung voller zauberhafter Momente in denen uns die Gorillafamilie an ihrem Leben teilhaben ließ. Tief verbunden fühlten wir uns ihnen sehr nahe, was für wundervolle Seelen voller Harmonie und Liebe. Nach einer Stunde bedankten wir uns herzlichst dass es sie gibt und wir sie besuchen durften. Gorillas haben auch eine innere Uhr, denn der Silberrücken Chef Mark (der Zweitgrösste Gorilla der Welt) posierte nochmal eindrücklich im Sonnenlicht und dann marschierten alle langsam los und auch wir mussten leider zurück. Abends im Bett konnte keiner schlafen … so wir unterhielten uns bis spät in in die Nacht über unsere Eindrücke.
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Nach dieser Reizüberflutung aller Sinne noch schnell bedankt beim gemütlichen Muhabura Climbers Rest Campsite für das Tiersitten und einen freien Blick auf den 4127m hohen Vulkan Muhabura genossen. Nach kurzer Fahrt erreichten wir das schöne Mutanda Eco Camp am reizvollen Lake Mutanda. Hier campten wir entspannt direkt am Steg mit Schwimm- und Angelmöglichkeiten. Die zahlreichen Wasservögel und Fischotter trafen wir an bei ihren Morgenaktivitäten im Frühnebeldunst mittels einer friedlichen Kanufahrt. Der tiefe Süden Ugandas ist ein paradisischer Garten Eden, diese Seen, dieses viele Grün! Robert hat leider nichts gefangen (wie fast immer), aber die Jungs vom Camp eigenen Restaurant haben uns köstlichen Fisch gebrutzelt.
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Nach einem Kaffeestop im gemütlichen Ort Kisoro schlängelten wir uns wieder hinauf in die Berge, mit freiem Ausblick auf den Lake Bunyonyi und vielen Stops an den leckeren farbenfrohen Marktständen – hier gedeiht auf der fruchtbaren Vulkanerde auch alles, selbst die Avocado hat die Grösse einer Honigmelone. Plötzlich zog über die Berge eine tiefe schwarze Gewitterfront hoch, als es dann noch zu hageln begann flüchteten wir ins Lake Museum und verbrachten einen kulturellen Abend mit Masken und afrikanischen Antiquitätensammlungen. Leider hielt der Regen an, sodass wir uns wegen der nun verschlammten Wege gegen die Durchfahrt des Bwindi Nationalparks entschieden und direkt Richtung der 32 Kraterseenlandschaft fuhren. Im dortigen renovierten Dave The Cave Community Camp unternahmen wir herrliche Wanderungen zu den farbenprächtigen Kraterseen, in die umliegen Dörfer und zur Höhle in der Kraterwand, durch welche ein Bach fliesst (mit heiligem Wasser) und ebenfalls angeblich eine der Quellen des Nils sei. Alle sind sehr freundlich und offen hier und man kommt leicht ins Gespräch und erfährt viel über den Alltag in Uganda.
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Als nächster Stop erwartete uns der Queen Elizabeth Nationalpark am Fuße des Ruwenzori Gebirges. Auf den kostenlosen, holperigen Hauptstrecken zu den Fischerdörfern an den beiden durch den Kazinga Channel verbundenen Seen Lake Edward und Lake George fuhren wir durch Bilderbuch Savannenlandschaft in das (etwas vermüllte) Dorf Kisenyi. Hier am See begrüssten uns Marabus, Pelikane, Bienenfresser, Wasserböcke, Warzenschweine und Uganda Kob Antilopen auf Tuchfühlung. In der Abendämmerung gesellten sich die Hippofamilien dazu und nachts grummelte es verdächtig neben unserem LKW – da stand tatsächlich friedlich die Elefantenfamilie… als ich dann noch in der Morgendämmerung fast in die 2 Büffel gelaufen bin, waren wir überglücklich – soviele Tiere so nah bei uns und das auch noch kostenlos. Viele Antilopen weiter erreichten wir das Dorf Katwe – auch hier liefen, sehr zu unserer Freude, die Elefanten und Hippos mitten im Dorf herum – was ein entspanntes Miteinander von Tierwelt und Dorfleben! Nach dem nächtlichen Hippobesuch fuhren wir wieder vorbei an Salzwassergefüllten Kraterseen auf die andere Seite zum lake George – vorbei an vielen Büffeln und Hippos.
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Da sind wir – am Äquator ! Nach dem Fotoshooting erreichten wir kurz vor Fort Portal Kluge’s Gästefarm, wo Stephan und seine liebe Frau Mariam uns herzlich empfingen im wunderschönen Blumengarten. Dank Stephans Kochkünsten mit Sauerbraten, Rouladen und Frikassee und der abendlichen Ginrunde am Lagerfeuer sind wir hier 4 Tage versackt. Selbst deutscher Dackel und deutscher Schäferhund schlossen Freundschaft und die ersten Kolobusaffen und Hornbillvögel zeigten sich ebenfalls.
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In einem Rutsch erreichten wir Entebbe am Lake Victoria und richteten uns dort im Botanischen Garten ein – Chiara’s Film für das Studium über die Probleme des Lake Victorias musste gedreht werden, Covidteste für ihren Abflug organisiert sein und das Treffen mit anderen Reisenden erwarteten uns. Wir verlebten Chiara’s letzte gemeinsame Tage mit lustigen Drehmomenten, nahen Vogel- und Colobusaffenbegegnungen und herrlichen Grillabenden mit unseren neuen Reisefreunden David and Francine (catch-the-wind.com). Trotz des Zeitstresses mit der Abreise Chiara’s (es war mal wieder der Flug storniert worden, KLM und Deutschland änderten die Zeitbestimmungen mit den Covidtests), gab es noch Einladungen zu diversen Party’s neben uns (die betuchten Ugander lassen sich schon sehr gut feiern mit Buffet und dekorierten Partyzelten) und unser LKW “Orange” wurde als Vlog Thema gefilmt und diente als Bühne für ein Musikvideo. Wir hatten viel Spass mit all den herzlichen Menschen! Dank der afrikanischen Zeit wurde es zu knapp mit beiden Covidtests, aber die lieben Ugander machten einen Plan, und wenn dies bedeutete mit der Ambulance mit Blaulicht und Sirene zwischen Flughafen und Teststation hin und her zu brettern… was haben wir gelacht!
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Nach einem tränenreichen Abschied (und doch sehr dankbar für die gemeinsame Zeit) und einer kurzen Nacht am Flughafen haben wir den unbeschreiblich chaotischen Verkehr Kampalas erlebt. 4 Stunden für 20 km inmitten verrückter Moped- und LKW Fahrer. Ziel waren die Mabamba Wetlands, wo wir wieder einen lustigen Abend mit David und Francine und den Dorfkindern auf dem Fussballfeld erlebten. Früh am nächsten Morgen tauchten wir ein in die faszinierende Sumpflandschaft des Lake Victoria und dann war es soweit: Endlich erblickten wir den sehr seltenen Schuhschnabel. Dieser Vogel aus der Pelikanfamilie wird bis zu 140 cm hoch und 4-7kg schwer. Allein der Schnabel misst 20cm. Wir durften 3 dieser bizarren Urvögel beim Flug, Schlaf und der Beutejagd erleben. Als Lauerjäger zeigte er uns wie er blitzschnell aus der Starre einen Lungenfisch ergattern kann. Die Augen klappen zu wie bei einem Krokodil. Ein Vogel wie aus einer anderen Zeit. Glücklich schätzend über diese einmaligen nahen Sichtungen tingelten wir zurück über Entebbe zum Essen beim Äthopier (wonach Robert die halbe Nacht wach lag, weil er eine ganze Kanne Äthiopischen Kaffee getrunken hatte).
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Die Quelle des Nils – hier sind wir! 1862 vom Engländer John Hanning Speke als Quelle des weissen Nils deklariert – die Wassermassen erreichen nach 3977km Reise (von hier) durch die Sahara das Mittelmeer. Tatsächlich gibt es aber mehrere Quellen des Nils in Uganda, Ruanda, Burundi und DR Kongo.