3.3. – 15.5.2021 (1.876km)

.
.
Nach einer sehr kurzen Fahrt erreichen wir das direkt am Nil gelegene The Haven campsite. Wir haben uns hier sofort wohlgefühlt und blieben dann 10 Tage…. Der Ausblick auf den Nil ist magisch, unzählige Vogelarten zwitschern um uns herum, Braunschwanzaffen hüpfen im Baum um uns herum, die Sonnennuntergänge sind unbeschreiblich, Robert angelt sogar einen Nilbarsch, ich gehe jeden Morgen zum Sonnenaufgang schwimmen im Pool und auch das Lagerfeuer nachts wird genossen. Unsere lieb gewonnenen neuen Reisefreunde Francine und David kommen auch nochmal auf ein paar Tage rum und wir haben eine wundervolle Bootsfahrt auf dem Nil. Was ein beeindruckender Fluss, so kraftvoll und majestätisch. Wir hatten viel Glück und gleich alle 4 dortigen Eisvogelarten entdeckt: Pied Kingfisher, Malachit Kingfisher, Woodland Kingfisher und Giant Kingfisher. Danach kommt der Klaffschnabel, Schlangenhalsreiher, Rallenreiher, Edelreiher, Schmuckreiher und zum Schluss der Schreiseeadler. Ungern trennen wir uns von diesem gewaltigen Fluss, was dieses vorbeiplätschernde Wasser wohl alles erlebt auf seiner 6650 km langen Reise…
.
.
Nach einem Stopp in schönen Jinja am Victoriasee erreichen wir nach 140 km die Sipi Falls am Mount Elgon. Direkt an der Abbruchkante findet sich ein gutes Plätzchen zum campen. Leider wird grad alles abgebrannt sodass die Sicht in die Ferne unklar ist, die 3 Fälle führen kaum Wasser, sodass wir nur faul ins Tal blicken und am 3. Tag hinauf auf enger Strecke zum Eingang des Mount Elgon Nationalparks auf 2400m fahren. Der erloschene Mount Elgon (4321 Meter) ist der älteste zum grossen afrikanischen Grabenbruch gehörende Vulkan. Die Tageswanderung im Park wäre mit Hund möglich gewesen, aber mit den üblichen US$ Raten für uns einfach nicht bezahlbar. Wir geniessen aber die Nacht im dortigen Wald mit Anwesenheit von Wildkatzen und Zibetkatzen.
.
.
Ja sind wir jetzt wieder in Namibia ??? Endlose Staubpisten, Savannengras, Inselberge … es fühlt sich an wie zu Hause. Der dünn besiedelte und trockene Nordosten Ugandas ist abenteuerlich. Wir bewegen uns in der Provinz Karamoja auf engen steinigen Pisten im Land der Viehhirten, der Bevölkerungsgruppe der Karamojong. Diese waren bis vor einigen Jahren in vielen bewaffneten Konflikten involviert. Dank mehreren Entwaffnungsprogrammen, Rückzug der Rebellen und vieler Bemühungen und Verhandlungen ist diese Region nun bereisbar. Wir waren aber gleich sehr mutig und haben uns einen Platz zum freien Campen ausgesucht ( später erfuhren wir, dass das noch nicht ratsam sei in dieser Region ). Wir wurden auch sofort von ca 28 bewaffneten Jägern der Karamojong geprüft. Alle ausgestattet mit mannshohen Speeren, Pfeil und Bogen und ein Berg an Macheten, alles gelagert vor unserem LKW…. keiner konnte Englisch, die Haut war mit Narben verziert und der Gesichtsausdruck war zum Fürchten abweisend. Unbekümmert haben wir mit Handsprache die Atmosphäre gelockert und somit durften wir die Nacht stehenbleiben, Foto leider verboten. Naturstimmung wie in Namibia. Nur die mit Lederhöschen bekleideten, Speerschwingenden und mit Hut und Feder beschmückten Besucher ließen einen… wissen wir sind in einer anderen Welt.
Kurz vor Moroto glitten wir erfreut auf die neue Teerstrasse und mit Blick auf den erloschenen Vulkan Mount Kadam ging es weiter durch den Matheniko Nationalpark auf der Transitstrecke in gelber Grass und Savannenlandschaft mit Oribis und anderen Antilopenarten. Nachmittags erreichten wir das Karamoja Arts Guesthouse in Kotido, wo Robert sich von seiner plötzlichen Sepsis gut erholte, dank meiner Pflege, der Fernanweisung unseres lieben Hausarztes Martin (Herzlichen Dank nochmal!!) aus Windhoek ( was kann die moderne Technik doch so nützlich sein) und dem leckeren Abendessen der Gastgeberin, u.a. mit Kochbananen und Odi (Erdnuss und Sesampaste, köstlich !).
.
.
Unser nördlichster Reisepunkt: Der abgelegene Kidepo Valley Nationalpark im Dreiländereck Uganda-Südsudan-Kenia. Leider wird im Südsudanischen Teil immer noch viel gewildert sodass sich die meisten Tiere im Ugandischen Teil aufhalten. Dieser Park ist ein wahres Juwel: Weite Ebenen Sudanesischer Trockensavanne, eingerahmt von Vulkanbergen mit 2750 Metern Höhe wird er von zwei Tälern durchzogen. Nach vielen Leberwurstbäumen und darunter im Schatten liegenden Büffeln erreichen wir das Camp, welches uns durch die Wildheit auch an Namibia erinnert. Wir geniessen den Sundowner in wilder Freiheit ohne Umzäunung … und mit Antilopen, Warzenschweinen, Steppenzebras, Defassa-Wasserböcken, Oribi Antilopen, Kudus und 2 kleinen Elefantenherden. Nicht zu vergessen die 2 “kleinen” Büffelherden die sich zu uns gesellten und uns umringten… die grösste Büffelherde überhaupt mit 3500 Tieren , die andere 1500. Ein Gewusel mit so vielen Kleinen, es war atemberaubend. Faszinierend mussten wir leider weiter am nächsten Tag, da es anfing wie aus Eimern zu regnen. Zähneknirschend mussten wir 150 US$ Eintritt für den LKW berappen, da die 50% Rabatt für Eintrittsgebühren dafür nicht golten, und es natürlich ausgenutzt wurde, dass uns erlaubt wurde mit Hund und Katze im Park sein zu dürfen. Nahe des Südsudan fuhren wir durch teilweise sehr vermüllte Städte des Nordens. Manchmal wurde die Strasse auch zum Markt umgewandelt und ich musste selber aussteigen und alles wegräumen, während ich angestarrt wurde und ohne mir zu helfen. Hier herrschte schon ein anderer Menschenschlag und einige sahen aus wie Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegs- und Hungersnotgeplagten Südsudan. Kein Wunder sämtliche Hilfsorganisationen glänzen hier mit immenser Präsenz.
.
.
Dank geschlossener Communitycampsites und Matschepisten fuhren wir gleich durch nach Gulu, wo wir privat bei der lieben Katharina, Ehemann Dominik mit Sohn Henri unterkamen, länger als gedacht blieben und Freunde gefunden haben! Gulu hat uns gut gefallen, vieles (z.B. Wasserfilter ect.) war zu erhalten, es gab einen Riesenmarkt, tolle Restaurants ( Äthopisch und sogar Döner ), Cafes und am Samstag Farmersmarket. Tja, geniessen konnten wir das nur bedingt, denn es erwischte uns knallhart:
Man könnte sich ja nur 1 Krankheit gönnen, oder ? Man kann aber auch sammeln und gleichzeitig Bilharziose, bösen Infekt, Malaria Tropica und gleich noch eine andere Sorte Malaria ausbrüten und ausbrechen lassen, und dazu noch ein Krankenhaus, welches erst negativ testet, dann zu schwach dosiert therapiert (oder die Medikamente aus Indien waren nicht gut gelagert) und Ärzte, die trotz wiederholter Konsultation die Situation nicht gut erkennen und einen weiter reisen lassen ohne weiter zu testen, obwohl man sich noch nicht gut fühlt. ” Das dauert, das wird schon! “. Da Robert selber noch mitgenommen war von seiner Sepsis und Bilharziose und ich dank der Hitzewelle, des Fiebers und der Nahrungsverweigerung wegen Übelkeit ect zu schwach war richtig zu denken (ich sag nur mein Hirn war wie eine breiige Nebelwand) und zu handeln (ich war selbst zu schwach die Magnettür im LKW zu öffnen), war natürlich jede kleine Verbesserung schon gut genug. Wir entschieden aber ins Kühle zu fahren. Katharina und Dominik, herzlichen Dank nochmal für eure immense Hilfe, Gastfreundschaft, lustiger Kochabende und wir hoffen euch wiederzusehen !
.
.
Die Kilometer zogen sich, wir fuhren über den Nil, ohne Stop an den Murchisonfalls (Uns reichen allmählich die hohen Eintrittsgebühren!) und übernachten kostenlos auf dem Parkplatz der Semliki River Falls Lodge und sundownern mit Hund und Katze an den kleinen rauschenden Fällen im Galeriewald.
.
.
Unser Ziel war zum zweiten Mal Kluge’s Guestfarm am Fusse der Rwenzori Mountains, dessen schneebedeckte Gipfel dreier Berge sich ein paar Mal zum Sonnenaufgang blicken ließen, 4800-5100 Meter sind sie hoch! Als ich (Robert) mich am nächsten Morgen aus dem Bett gelehnt hatte, um meine Brille zu suchen, stand der Dackel parat und sprang mir mit ihrem Schädel an die Oberlippe … Das alles vor dem Kaffee. Ich sah dann zwei Tage aus wie ein Spitzmaulnashorn.
.
.
Das Osterwochenende verbrachten wir gemütlich auf der schönen Campsite…bis es mir über Nacht wieder sehr schlecht ging und ich Gelb wurde.. Stefan hat den Kontakt hergestellt zu seinem Arzt und der hat gleich mehrere Blut- und Urinteste durchgeführt… Malaria zurück, starke Infektionswerte, besch..Leberwerte, alle anderen Werte auch im verrückten Bereich…und das schlimmste: eine schwere Blutarmut. Es war kein Spass mehr, ich konnte keine 2 Meter laufen ohne Schwindel, Übelkeit, Atemnot usw. . Haare fielen Büschelweise aus! Vollgepumpt mit Spritzen fuhren wir täglich zu Dr. Henry, trotz meiner schwachen Aufnahmefähigkeit waren alle Fahrten durch die hügelige Landschaft, selbst Nachts, immer wieder beeindruckend dank der Farbenspiele und der Menschenbegegnungen. Die Blutarmut war dermassen im risikoreichen Wert, dass wir schon nach der geeigneten Bluttransfusion guckten. Stefan und Mariam haben uns lieberweise das Familyhouse zur Verfügung gestellt, nachdem ich vom Chinintropf heim durfte. Es wurde auch sofort von allen ein Plan aufgestellt um mich aufzupäppeln mit Vitam- und Eisenreichem Essen und Getränken, was wirklich Wunder bewirkte und ich mit kleinen Schritten meinen beängstigned schlechten Zustand verbesserte.
Damit uns so etwas nicht noch einmal geschieht, haben wir aufgrüstet und uns einen elektronischen Mückenschläger beim Chinesen gekauft!!!
.
.
Da es Beate nicht so gut ging, habe ich mich etwas zurückgehalten und sie ihrem Schicksal überlassen, dafür aber auf der Farm geholfen. Ein paar Fahrzeuge & Motorsägen repariert, bei der Pool Reparatur geholfen und Schweissarbeiten durchgeführt (mehr schlecht als recht, da ich nicht gut elektrisch schweißen kann …). Auch beim Wurstmachen durfte ich teilnehmen …. die übrigens sehr lecker schmeckt. Abends gab es dann natürlich oft ein Feierabend Bier, lecker Essen, interessanten und witzigen Gesprächen bei der Lodge.
.
.
Auf der 27ha großen Farm, die sehr gut bewirtschaftet ist, gibt es auch viele kleine Wanderwege. Teilweise haben wir gedacht, wir sind irgendwo in Österreich. Stefan und seine Frau Mariam haben hier wahrlich ein kleines Paradies erschaffen mit einem farbenfrohen Garten, vielen lauschigen Plätzchen und Wanderwegen zum entspannen mit Affen, Schmetterlingen und vielen Vögeln. Besonders hervorzuheben ist das leckere Essen im Restaurant mit vielen eigenen Farmprodukten, köstlich!
.
.
Da Stefan uns eines seiner Fahrzeuge zur Verfügung gestellt hatte, haben wir immer mal wieder kurze Tagesausflüge gemacht. In der Regenzeit in Uganda ist ein kleinerer 4×4 schon etwas vorteilhafter, da man nicht so leicht ins rutschen kommt wie mit dem LKW, wenn die Pisten sich in Modder verwandeln. Hier sind wir zu den Sempaya Hot Springs im Semliki Nationalpark gefahren. Die Berge hören hier langsam auf (hier ist übrigens auch die westlichste Ausdehnung des rift valleys) und das Kongo Becken beginnt. So war es hier dann auch sehr heiß und schwül. Das Wasser kommt mit 95Grad aus der Erde. Überall blubbert es und es fehlt eigentlich nur noch, dass ein Dinosaurier aus dem Wald kommt. Beate hat gleich mal 2 Eier im Wasser gekocht.
.
.
Wir sind nun schon 6 Wochen hier, fühlen uns wie Zuhause und geniessen jeden Tag. Die Regenzeit ist voll da, sodass wir es uns vor den Kamin gemütlich machen und dabei z.B. Indisch kochen …lustig und lecker ! An das ganze Farm Kabahango Team unser herzlichsten Dankeschön für all die Hilfe und Unterstützung, Danke dass ich mit und bei euch gesund werden konnte !